EIN MENSCH, DER FÜR MICH SEHR WICHTIG WURDE

IN MEMORIAM PROF. CARSTEN PETER THIEDE

1Das Vermächtnis von Prof. Carsten Peter Thiede - Am 14.12.2004 starb überraschend Prof. Carsten Peter Thiede im Alter von 52 Jahren. Einem breiten Publikum war Thiede durch seine Fernsehproduktionen und zahlreichen Publikationen bekannt geworden, in denen er die Geschichtlichkeit der Berichte der Evangelien und vor allem ihre frühere Datierung fundiert und eloquent gegen die gängige Meinung der historisch-kritischen Exegese verteidigte. Mit seinem besonderen Gespür für unkonventionelle Ansätze überraschte er immer wieder die Öffentlichkeit und forderte mit neuen Entdeckungen die Fachkollegen heraus. Internationales Aufsehen erregten u.a. der "Jesus-Papyrus", in dem Thiede das Matthäus-Evangelium rund 40 Jahre älter datiert als die übrige Fachwelt, seine Untersuchungen der in Rom aufbewahrten Holztafel vom Kreuz Christi mit der Aufschrift INRI, die er für echt erklärte, und die Lokalisierung des biblischen Emmaus als Bestätigung der lukanischen "Auferstehungsgeschichte". Er sah auch starke Indizien dafür, dass ein Fragment mit der Bezeichnung 7Q5 dem Markus-Evangelium entstammt. Im Jahr 2000 hatte er in der Frankfurter Universität ein viel beachtetes Streitgespräch mit dem Göttinger Neutestamentler Prof. Lüdemann geführt, der die Auferstehung leugnete. Thiede war ein ungewöhnlich begabter und vielseitiger Wissenschaftler. Von 1993 bis 1998 leitete er das Institut für wissenschaftliche Grundlagenforschung des Deutschen Instituts für Bildung und Wissen in Paderborn. Als Historiker, Papyrologe und Literaturwissenschaftler lehrte er an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule (STH) Basel und hatte einen Lehrauftrag an der israelischen Universität in Beer-Sheva. Im Auftrag beider Hochschulen führte er Ausgrabungen in der Nähe Jerusalems durch, bei denen er das Dorf Emmaus des Lukasevangeliums lokalisierte. In seinen letzten Jahren hatte Thiede sich ganz auf seine Publikations- und Vortragstätigkeit konzentriert. Reformiert aufgewachsen wurde er anglikanischer Geistlicher und wurde oft auch von katholischen Bildungseinrichtungen eingeladen. Empfohlen als Einstiegslektüre sei sein Streitgespräch mit Gerd Lüdemann, als Buch erschienen unter "Auferstehung Jesu - Fiktion oder Wirklichkeit?" 2http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3765512419/028-4612352-8909313 oder "Jesus - Der Glaube - Die Fakten", "Der Petrus-Report" oder "Paulus" 3http://www.die-tagespost.de/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=11362
Kommentar: Prof. Thiede hinterlässt ein Gesamtwerk, das seinesgleichen sucht. Es besticht vor allem durch seinen im wahrsten Sinn des Wortes "ganzheitlichen" Ansatz. Sein früher Tod schmerzt; gewiss hätte er noch weitere überraschende Akzente gesetzt. Der Herr über Leben und Tod hat anders entschieden. Aber auch so hat Thiede durch sein unkonventionelles und eloquentes Auftreten für die Glaubwürdigkeit der Bibel zahlreiche neue ernstzunehmende Impulse gesetzt, gerade gegen angegraute Dogmatisierer der historisch-kritischen Methode der Bibelinterpretation, wie auch gegen gelehrte Wegrationalisierer neutestamentlicher Wunderberichte und gegen die dialektischen Umdeuter der historischen Auferstehungsberichte. Er tat es mit dem Feuer des vom Geist Berührten, aber auch stets mit grösstem Respekt vor seinem Diskussionsparter. Das verschaffte ihm Achtung auch dort, wo man ihm widersprach.