Ausnahmetalent   

22-Jähriger spricht 35 Sprachen


Wer als junger Akademiker drei, vier Fremdsprachen gut beherrscht, gilt schon als Ausnahmetalent. Der Bonner Student Sebastian Heine hat drei, vier gelernt – pro Jahr. Inzwischen sind es 35, von Aramäisch über Usbekisch bis zu seiner Lieblingssprache Pashto.
„Nein, ein Genie bin ich nicht!“, sagt Sebastian Heine und zeigt auf den Bücherstapel auf seinem Schreibtisch in der Bibliothek der Uni Bonn. „Es ist Fleiß – ich pauke jeden Tag Vokabeln, ich wiederhole jeden Tag die Grammatik.“ Diese Selbsteinschätzung des 22-Jährigen ist bescheiden – ohne besondere Begabung lernt niemand über 30 Fremdsprachen, die meisten aus dem Nahen und Mittleren Osten.
Angefangen hat alles vor sieben Jahren an der Edertalschule im hessischen Frankenberg. Bei der Homer-Lektüre im Original entdeckte Sebastian Heine, damals 15, dass Griechisch und Sanskrit miteinander verwandt sind. Das weckte seine Neugier, er lernte Sanskrit. Danach eignete er sich jedes Jahr drei bis vier weitere Sprachen an, das fand er spannender als Discobesuche mit seinen Kommilitonen. Diese Begeisterung lässt ihn bei seinen Freunden als Exoten erscheinen. Der Sprachenexperte hat trotzdem ein abwechslungsreiches Studentenleben: Fast täglich trifft er sich mit Menschen aus Afghanistan, die er hier in Deutschland kennen gelernt hat. Mit ihnen zieht er um die Häuser, feiert Partys, diskutiert über Gott und die Welt – nur eben nicht auf Deutsch, sondern auf Pashto.
Mit s einen Sprachkenntnissen stehen Sebastian Heine viele Türen bei Unternehmen, Hilfsorganisationen oder beim Militär offen. Er sieht seine Zukunft in Forschung und Lehre. Wenn alles gut geht, wird er ab Ende dieses Jahres erst einmal promovieren: als Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes an der „School of Oriental and African Studies“ in London. Danach würde er am liebsten als Wissenschaftler in die Region gehen, deren Sprachen er so gut beherrscht, in der er jedoch noch nie gewesen ist: „Afghanistan wäre für mich als Wissenschaftler ein Traum“, sagt er. „Die Dialekte aufzuarbeiten, die Sprachen, über die es noch keine Grammatiken gibt, ihre Geschichten, Märchen, Sagen, Dichtung – das wäre reizvoll.“ Und so hofft er, dass sich die politische Situation bald entspannt und er zum Beispiel an der Universität von Kabul lernen, lehren und forschen kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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